Interview mit Gian Rupf: Heftige Szenen

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Gian Rupf wird von Tatjana Mahr für seine Szenenarbeit geschminkt.

Gian Rupf, Sie spielen die männliche Hauptrolle, den Tannbühler. Wie kamen Sie zu dieser Rolle?

Gian Rupf: Kuno Bont bekam einen Tipp und hat mich drauf kontaktiert. Er hat mich zwei Mal auf der Bühne gesehen und nachher sofort gesagt: «Du bist es.» Mich hat die Rolle angesprochen und mich gereizt, den Tannbühler zu spielen.

Wie sieht Ihr schauspielerischer Alltag aus?

Gian Rupf: Ich habe in vielen verschiedenen Theaterproduktionen und TV-Filmen mitgewirkt. Ich entwickle auch eigene Projekte, die oft mit Bergen zu tun haben. Aus diesem Grund bin ich nach 15 Jahren von Deutschland in die Schweiz zurückgekehrt. Eines meiner Projekte war, als wir von SAC Hütte zu SAC Hütte zogen und jeweils am Abend zu zweit rund um die Hütte Theater gespielt haben. Ich halte auch Lesungen an ungewöhnlichen Orten, nahe beim Publikum. Ich mache zudem Produktionen mit klassischer Musik und Worten, das ist sehr spannend. Ich arbeite auch am Schweizer Fernsehen Sprecher für Kulturplatz und vertone regelmässig Reporter und Dokfilme.

Wie gefällt Ihnen die Rolle des Tres?

Gian Rupf: Der Tannbühler ist ein rauer Kerl mit feinem Innenleben. Er zeigt nicht jedem seine Gefühle. Eine Entwicklung des Tannbühler zeigen, ist für mich eine grosse Herausforderung. Ich kann mich in der Rolle entfalten und ausbreiten. Mir gefällt die Rolle des Tannbühlers, weil ich sie in mir habe. Ich muss es nur zulassen, dass ich eben ein baumlanger Kerl bin, und poltern kann, wenn ihm übel mitgespielt wird. Sobald ich den Spitzhut und die klobigen Schuhe anhabe, fühle ich mich wohl.

Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit den andern Schauspielern?

Gian Rupf: Die Zusammenarbeit ist sehr angenehm und unprätentiös. Man reisst sich zusammen, ist nicht launisch. Ich finde es spannend, wenn wir uns nach einigen Wochen Unterbruch beim Dreh wieder sehen. Mittlerweile hat sich eine Ruhe eingestellt. Wir sind ein eingespieltes Team, alle wissen, was sie tun müssen. Ich finde es spannend, dass Kuno Bont wenig sagt, aber doch eine genaue Vorstellung hat, wie es sein muss. Dann sagt er beispielsweise nur: «Sei nicht so nett, Tres ist rau, es ist eine andere Zeit.» Ich bin voller Hoffnung, dass es ein toller Film wird. Es ist ein schwieriges Thema, keine leichte Kost. Ich hoffe, dass die Leute kommen und sich den Film ansehen.

Gibt es Schlüsselszenen, die Ihnen besonders gut gefallen?

Gian Rupf: Beim Gemeindeammann reinzuplatzen mit dem Satz: «Hätt’dr aigentlich a Vogl is Hirni gschissa, Gantabei!» war wunderbar. Mit Katharina gibt es sehr emotionale Szenen. Einmal bricht sie in sich zusammen und sackt in die Knie, und ich versuche sie zu halten und zu trösten. Das hat im Herzen wehgetan. Der Baum, den ich fälle im Wald, der dann auf den 10 jährigen Markus fällt, Himmel, was ein Ton und was für eine Stille danach! Und dann ist da noch die Szene mit der feinen Liebesannäherung zwischen Katharina und mir im Stall. Es war eine ganz spezielle Atmosphäre. Wir flirten über den Rücken der Kühe, und ich streiche über ihren Bauch. Die Rollen haben nicht so viele Chancen ihre Liebe gegenseitig zu zeigen. Es wird ihnen schnell übel mitgespielt.

Wie haben sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

Gian Rupf: Die Rolle des Tannbühlers ist mir sehr nah. Ich versuche in mich hineinzuspüren und versuche, die Emotionen fliessen zu lassen, also möglichst nichts draufsetzen und verschnörkeln. Der Tres muss echt sein, ein Original, unverfälscht und ungekünstelt.

Gibt es etwas, das Ihnen Schwierigkeiten bereitet?

Gian Rupf: Beim Filmen ist es schwieriger den Spannungsbogen zu halten, weil man viele kurze Einsätze hat. Man muss seine Kräfte und Konzentration gut einteilen um von frühmorgens bis abends durchzuhalten.


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