Heftiges Gepolter im alten Kurhaus

Eine Reportage auf dem Set am Buchserberg

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Regisseur Kuno Bont informiert die Mitarbeiter über das weitere Vorgehen.

Heftige Szenen, wütendes Gepolter und ein verletzlicher Tannbühler. Ein aufgestelltes Team und eine spontane Gratulation. Auch in der dritte Drehwoche war die Stimmung unter den Schauspielern und der Crew super, fast wie in einer grossen Familie. Als Kulisse diente das abbruchreife, ehemalige Kurhaus am Buchserberg.

Gelbe Schlüsselblumen leuchten im weissen Schnee. Über Nacht hat es bis in die Niederungen geschneit und es ist empfindlich kalt geworden. Die sommerlichen Tage sind vorbei. Im Kurhaus Buchserberg, das bald abgerissen werden soll, ist es empfindlich kühl. Ursprünglich wurde das Gebäude als Kurhaus genutzt, später diente es als Asylantenheim. Schon seit einigen Jahren steht das Haus jetzt leer.

Auf dem grossen Platz vor dem Haus parkieren mehrere Autos. Im Kurhaus ist es mäuschenstill. «Ob wohl jemand da ist?» fragt sich die Besucherin besorgt und betritt zögernd das Gebäude. Da ertönt eine energische Stimme und fordert Ruhe. Darauf ist in knapper Folge «Ton läuft», «Kamera läuft» zu hören. Nach einer kurzen Pause, mitten in die Stille die Worte «Und bitte!». Den Stimmen folgend gelangt man in den obersten Stock. Auf dem filmischen Polizeiposten spricht Katharina mit dem Dorfpolizisten (Jaap Achterberg). Sie insistiert, doch der Riegendinger zuckt mit den Achseln. Sie könne nicht hier bleiben, gibt er ihr Bescheid. Katharina kümmert das wenig, sie schaut den Polizisten herausfordernd an. Klein beigeben ist nicht ihre Art. Dann flüstert sie ihm zu, dass sie schwanger sei. Und wenn Tres endlich geschieden ist, würden sie heiraten, sagt sie mit leisem Triumph in der Stimme. «Und aus» beendet Regisseur Kuno Bont die Aufnahme. Das Filmteam und der Regisseur besprechen sich kurz, dann wird die Szene wiederholt.

Im Parterre ist das Büro des Gemeindeammanns eingerichtet. Daneben befindet sich der einzige Raum, der mit einem Gebläse beheizt wird. Hier ziehen sich die Schauspieler um, werden geschminkt, befindet sich ein improvisiertes Büro und die Helfer unterhalten sich bei einem Kaffee. Um 10 Uhr trifft Gian Rupf ein. Er spielt die Hauptrolle, den Tannbühler. Küsschen da, eine herzliche Umarmung dort und nachdem er alle begrüsst hat, zieht er sich um und wird anschliessend geschminkt. Sein Markenzeichen als Tannbühler ist der Spitzhut. Bevor die Probe beginnt, vertieft er sich in die Rolle und studiert nochmals seinen Text. Noch zwei Szenen werden im ehemaligen Kurhaus, das sich bestens dafür eignet, gedreht.

Kurz vor Mittag fahren alle zusammen zum Berggasthaus Malbun. Durch die grossen Fenster des Restaurants bietet sich eine wunderbare Aussicht in die Berge. An diesem Tag zeigen sie sich, in winterlichem Kleid. Sie sehen aus, als wären sie mit Puderzucker bestäubt. Im hellen freundlichen Restaurant ist die Stimmung während des Mittagessens fast ausgelassen. Es wird gescherzt und gelacht. Kuno Bont erhebt sich zu einer kurzen Ansprache und gratuliert Regieassistentin Anja Thommen im Namen der Anwesenden zur bestandenen Französisch Prüfung. Er überreicht ihr eine improvisierte Gratulationskarte mit sämtlichen Unterschriften, die sie freudestrahlend entgegen nimmt.

Während des Mittagessens ist Karl Jerolitsch eingetroffen. Er spielt den Österreichischen Gemeindeammann, der sich der Bitte von Tres widersetzt, Katharina in seiner Gemeinde aufzunehmen, obwohl sie von dort kommt. Tres hatte so viel Hoffnung in dieses Gespräch gesetzt. Könnte Katharina zurück nach Österreich, würde sie aus der Psychiatrie entlassen. Gian Rupf, gross, mit Bart, verkörpert den aufbrausenden, wilden Mann, der Angesichts der Tatsache, dass er nichts für Katharina tun kann, in seiner Hilflosigkeit verletzlich wirkt.

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Dreharbeiten im Büro des Gemeindammanns.

Im Parterre sitzt Gemeindeammann Gantenbein (Hans-Peter Ulli) am Pult und starrt vor sich hin. Das Telefon klingelt und er erfährt, dass Katharina aus der Psychiatrie geflüchtet ist. Wütend schmeisst er den Telefonhörer auf die Gabel, flucht und poltert. Dann steht er schwerfällig auf, reisst die Türe auf und ruft lauthals nach dem Polizisten Riegendinger. Wie Hans-Peter Ulli so behäbig am Pult sitzt, nimmt man ihm den patriarchalen Gemeindeammann, dem die ganze Situation mit Katharina und dem Tannbühler lästig ist, ab. Seine tiefe Stimme passt zum wütenden Poltern. Als am späten Nachmittag die Szenen mehrmals gefilmt sind, werden Kostüme, Beleuchtung und technisches Gerät verpackt und alle dislozieren nach Freienbach.


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