Erster Drehtag vom Winde verweht

Nur einer freute sich am ersten Drehtag, als der Föhn, von den Rheintalern auch respektvoll «der älteste Rheintaler» genannt, alles durcheinander wirbelte – Regisseur Kuno Bont. «Echter kann Kino nicht sein.» – Eine Reportage von Esther Wyss.

Orkanartige Windböen wirbeln den Sand von der Dorfstrasse auf, der Föhn rüttelt an Fenster und Türen, zaust die Bäume, Blätter wirbeln durch die Luft. Die Darsteller drehen dem Wind kurz den Rücken zu. Das Pferd senkt den Kopf und wartet geduldig.

Die einzelnen Szenen für den Film «Das Deckelbad» werden vorbesprochen, mehrmals geprobt, dann die Aufnahme. Katharina (Simona Specker spielt die Hauptrolle) fährt mit dem Velo zum Rathaus. Ein Auto nähert sich auf der Durchgangsstrasse und wird für die Dauer der Szene von einem Helfer angehalten. Katharina sitzt auf den kalten Treppenstufen und zieht ihre schweren Bergschuhe aus, schlüpft in elegante, rote Stöckelschuhe und setzt lächelnd ein keckes, rotes Hütchen auf, bevor sie das Rathaus betritt. Unten an der Treppe lehnt Turli (Kevin Oeler), der ihr gefolgt ist und «sein» Lied singt. Katharina wiegt ihre Hüften im Rhythmus der Melodie und lacht. Sie ist eine Frohnatur. Dann verschwindet sie im Rathaus.

Gleichbleibende Bedingungen gesucht

Plötzlich bricht die Sonne durch die Wolkendecke. Wolkenschiffe ziehen vorbei. Es ist für die Kontinuität nicht gut, wenn das Wetter derart stark wechselt. Alex Schwendinger klemmt sich ein Schwarzglas in das rechte Auge und schaut damit in die Sonne. Er beobachtet die vorbeiziehenden Wolken und versucht vorauszusehen, wann wieder die richtigen Lichtbedingungen eintreten. Dann ist es wieder so weit, die Arbeit wird fortgesetzt.

Der älteste Rheintaler mit im Spiel

Der Föhn zerrt an den Röcken der schwarzgekleideten Frauen, bläst den Männern die Hüte vom Kopf und treibt sie übers Feld, der Mantel des Priesters flattert im Wind, mit beiden Händen halten die Frauen ihre Schaltücher fest. Gespenstisch bewegt sich der Trauerzug mit dem kleinen, hellen Kindersarg über die Matte. Katharinas Junge ist beim Holzen von einem Baum erschlagen worden. Der Gemeindammann beäugt die Szene aus der Ferne. Er ist derjenige, der sie später in die psychiatrische Anstalt einliefern wird. Schnitt. Zum Mittagessen gehen die Darsteller und Helfer ins Pfarreizentrum und gönnen sich eine kurze Ruhe vor dem Föhn. Im Zentrum befinden sich auch die Garderobe und die Maske. Der Verkehrsverein Kobelwald und weitere Dorfvereine sind eingesprungen und helfen der Filmcrew, wo sie können. Am Nachmittag werden die Szenen im Dorfladen gedreht. Regisseur Kuno Bont bespricht sich mit Bildregisseur Giancarlo Moos und dem Kameramann Günter König. Der Lichttechniker Alex Schwendinger wird in die Entscheidungen mit einbezogen. Szene reiht sich an Szene und Kuno Bont strahlt immer mehr. Er ist zufrieden mit der Arbeit die sein Team hier leistet.


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